Weichgewebe im Fokus: Ästhetik, Planung und Teamarbeit beim AID my Generation Symposium 2026 (deutsche Version)
Zürich, 21. Mai 2026 – «Pink. White. Wow. – Weichgewebe formen. Kronen perfektionieren. Im Team gewinnen.» Unter diesem Motto stand das diesjährige AID my Generation Symposium. Die drei Programmpunkte spiegelten den Titel nahezu perfekt wider: Dr. Kai Fischer widmete sich dem Weichgewebemanagement rund um Implantate, PD Dr. David Schneider beleuchtete die Voraussetzungen für ästhetisch und funktionell überzeugende Kronen und zeigte gemeinsam mit Zahntechniker Daniel Pally, weshalb erfolgreiche Ergebnisse heute mehr denn je auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Klinik und Labor beruhen.
Weichgewebe als Schlüssel zum Erfolg
Mit seinem Vortrag «Weichgewebe ums Implantat – Graft ja/nein, welche Techniken, wie freilegen?» rückte Dr. Kai Fischer die Bedeutung des Weichgewebes für den langfristigen Erfolg implantologischer Versorgungen in den Mittelpunkt. Wer sich ausschliesslich auf das Hartgewebe konzentriere, greife zu kurz, so seine zentrale Botschaft.
Anhand zahlreicher Fallbeispiele verdeutlichte Fischer die Bedeutung eines gezielten Weichgewebemanagements. Er stellte verschiedene chirurgische Ansätze zur Weichgewebeaugmentation und Implantatfreilegung vor und diskutierte Techniken wie die Palacci-Technik, den Roll-Lappen oder die Mäander-Technik nach Arndt Happe und Gerd Körner. Anschliessend widmete er sich den unterschiedlichen Entnahmestellen für Bindegewebetransplantate. Dabei stellte er klinische Erfahrungen den Erkenntnissen aus der Literatur gegenüber und zeigte auf, welchen Einfluss die Wahl des Gewebes und der Technik auf die langfristige Stabilität und Ästhetik haben kann.
Zum Abschluss seines Vortrags stellte Fischer die Frage nach dem Goldstandard im Weichgewebemanagement bei Zahnimplantaten. Er diskutierte verschiedene Verfahren und Materialien sowie deren Vor- und Nachteile. Sein persönliches Fazit: Unter den vorgestellten Verfahren betrachtet er das Bindegewebetransplantat in Kombination mit einem koronal verschobenen Lappen weiterhin als besonders verlässliche Lösung.
Die perfekte Krone im Fokus
Im zweiten Vortrag widmete sich Dr. Schneider der Frage, was eine «perfekte Krone» ausmacht. Was zunächst einfach klingt, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als komplexes Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. Denn jede klinische Situation ist individuell, und eine Krone lässt sich nie isoliert beurteilen. Symmetrie, Nachbarzähne, kontralaterale Zähne und die funktionelle Einbindung in das bestehende Gebiss spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Ästhetik. Nicht zu vergessen ist die Sicht des Patienten: Allzu oft werde dessen Wunsch vernachlässigt, während sich der Behandler zu stark auf das technisch Machbare konzentriere.
Im weiteren Verlauf seines Vortrags beschäftigte sich Schneider mit der Frage, wie Ästhetik überhaupt beurteilt werden kann. Anhand etablierter Bewertungssysteme wie dem Pink Esthetic Score (PES nach Fürhauser et al.) und dem White Esthetic Score (WES nach Belser et al.) zeigte er Möglichkeiten auf, das Erscheinungsbild von Kronen und umliegendem Weichgewebe systematisch zu bewerten. Gleichzeitig warnte er davor, solchen Scores blind zu vertrauen, und verwies auf die begrenzte Reproduzierbarkeit der Bewertungen.
Als zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Ergebnisse bezeichnete Schneider die Planung. Moderne Möglichkeiten wie die schablonengeführte Implantation und die computerassistierte Planung helfen dabei, bereits früh die richtigen Voraussetzungen für die spätere Versorgung zu schaffen. Gleichzeitig betonte er, dass der Aufbau von Hart- und Weichgewebe häufig anspruchsvoll sei und nicht immer jedes Defizit vollständig rekonstruiert werden könne.
Erfolgreiche Ergebnisse entstehen im Team
Gemeinsam mit Zahntechniker Daniel Pally richtete Dr. Schneider den Blick zum Abschluss auf die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor. Beide Referenten zeigten, wie stark die Digitalisierung die Kommunikation verändert hat und welche Möglichkeiten sich daraus für Diagnostik, Planung und Zusammenarbeit ergeben. Digitale Fotos, intraorale Scans, 3D-Röntgenaufnahmen und moderne Planungssoftware ermöglichen heute einen schnelleren und umfassenderen Informationsaustausch als je zuvor. Gleichzeitig wurde deutlich, dass digitale Werkzeuge allein noch keine erfolgreiche Versorgung garantieren und in bestimmten Situationen an ihre Grenzen stossen.
Pally betonte, wie wichtig es für Zahntechniker ist, möglichst früh in die Behandlungsplanung einbezogen zu werden. Je besser die klinische Ausgangssituation und die Behandlungsziele verstanden werden, desto gezielter können technische Lösungen entwickelt werden. Beide Referenten plädierten deshalb für einen interdisziplinären Ansatz, bei dem digitale und analoge Methoden sinnvoll kombiniert werden und Zahnarzt, Zahntechniker und Patient von Beginn an als Team zusammenarbeiten.
Fazit: Biologie, Planung und Kommunikation
Trotz unterschiedlicher Themenschwerpunkte verband die drei Vorträge eine gemeinsame Botschaft: Langfristig erfolgreiche Implantatversorgungen entstehen nicht durch einzelne Behandlungsschritte, sondern durch das Zusammenspiel biologischer Grundlagen, sorgfältiger Planung und enger Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen.
Ob Weichgewebemanagement, Kronengestaltung oder digitale Workflows – letztlich steht immer dasselbe Ziel im Mittelpunkt: stabile, funktionelle und ästhetische Ergebnisse für den Patienten.

Autor: Dott.ssa Anna Stelling-Germani