AID Practical Impact Award 2026: Bone-Level und Tissue-Level im Langzeitvergleich (deutsche Version)

Welche Rolle spielt das Implantatdesign für die langfristige periimplantäre Gesundheit? Dieser Frage widmeten sich Dr. Emilio Couso-Queiruga und Dr. Clemens Raabe anhand von Nachuntersuchungen durchschnittlich elf Jahre nach der Implantation.

Bone‐Level Versus Tissue‐Level Titanium Dental Implants: A Comparative Cross‐Sectional Study.

Zürich, Oktober 2026 – Die Alliance for Implant Dentistry (AID) zeichnete Dr. Emilio Couso-Queiruga und Dr. Clemens Raabe mit dem Practical Impact Award 2026 aus. Gewürdigt wird ihre vergleichende Untersuchung zu Bone-Level- und Tissue-Level-Implantaten, die neben dem Implantatüberleben auch periimplantäre Erkrankungen und damit verbundene Faktoren erfasst.

Mit dem Award zeichnet die AID wissenschaftliche Arbeiten aus, die neben ihrer wissenschaftlichen Qualität insbesondere einen hohen klinischen und praktischen Nutzen für die Implantologie aufweisen.

In ihrer monozentrischen Querschnittsstudie untersuchte das Forschungsteam an der Universität Bern, ob sich Bone-Level- und Tissue-Level-Implantate im Frontzahn- und Prämolarenbereich langfristig hinsichtlich des Implantatüberlebens und periimplantärer Erkrankungen unterscheiden. Dabei wurden Implantatdurchmesser und weitere mögliche Risikoindikatoren mitberücksichtigt.

Die Studie umfasste 266 Patientinnen und Patienten mit ursprünglich 336 Implantaten und die Nachuntersuchung erfolgte durchschnittlich 11 Jahre nach der Implantation. Nach vier Implantatverlusten standen für die Beurteilung der periimplantären Gewebe 332 Implantate zur Verfügung, jeweils 166 Bone-Level- und Tissue-Level-Implantate. Beide Typen zeigten mit 99,4 % (Bone-Level) und 98,2 % (Tissue-Level) hohe Überlebensraten.

Entgegen der anfänglichen Hypothese, dass periimplantäre Erkrankungen bei Bone-Level-Implantaten häufiger auftreten als bei Tissue-Level-Implantaten, zeigte sich insgesamt kein statistisch signifikanter Unterschied in der Häufigkeit dieser Erkrankungen zwischen den beiden Implantatdesigns. Eine Periimplantitis lag bei 11,4 % der Bone-Level- und bei 9,0 % der Tissue-Level-Implantate vor.

Interessante Unterschiede zeigten sich beim Durchmesser und der Gewebedicke: Implantate mit 3,3 mm Durchmesser wiesen eine geringere Periimplantitisprävalenz auf als solche mit 4,1 mm (7,2 % vs. 13,3 %). Besonders niedrig war das Risiko bei der Kombination aus schmalem Durchmesser und Tissue-Level-Design. Hier lag die Periimplantitisrate bei 4,8 % (gegenüber 9,6 % bei schmalen Bone-Level-Implantaten). Eine grössere periimplantäre Mukosadicke war mit einem selteneren Vorliegen von Mukositis und Periimplantitis assoziiert. Bei höheren Plaquewerten traten beide Erkrankungen häufiger auf, bei Rauchern häufiger eine Periimplantitis.

Die Ergebnisse ordnen Dr. Clemens Raabe und Dr. Emilio Couso-Queiruga aus klinischer Sicht ein:

Überrascht hat uns, dass Bone-Level-Implantate im Langzeitverlauf kein höheres Erkrankungsrisiko zeigten. Dazu beigetragen haben dürften neben einer idealen 3D-Implantatposition sorgfältig gestaltete Rekonstruktionen, denn gerade bei Bone-Level-Implantaten liegt hier ein besonderes Risiko. Die Evidenz für den Einfluss eines gut gestalteten Emergenzprofils auf die periimplantäre Gesundheit wächst stetig. Bestätigt hat sich hingegen, wie stark Patientenfaktoren und auch das Weichgewebe das Ergebnis prägen.

Die Studie liefert wertvolle Daten zur periimplantären Gesundheit durchschnittlich elf Jahre nach der Implantation. Als Querschnittsstudie erfasst sie Zusammenhänge, erlaubt jedoch keine Schlussfolgerungen zu Ursache und Wirkung. Die Ergebnisse beziehen sich auf ein Implantatsystem mit zwei Durchmessern ausserhalb der Molarenregion. Um die Befunde zu überprüfen und ihre Übertragbarkeit zu untersuchen, empfehlen die Forschenden grössere, vielfältigere Patientenkollektive sowie längsschnittliche Untersuchungen mit mehreren Implantatsystemen.

Die AID gratuliert Dr. Emilio Couso-Queiruga und Dr. Clemens Raabe sowie dem beteiligten Forschungsteam zur Auszeichnung. Ihre Arbeit liefert zusätzliche Daten zur langfristigen Beurteilung beider Implantatdesigns und verdeutlicht, weshalb neben dem Implantatüberleben auch die periimplantäre Gesundheit ein zentraler Bestandteil der langfristigen Patientenbetreuung ist.

Autor: Loreen Plankensteiner