{"id":2721,"date":"2026-10-27T10:27:53","date_gmt":"2026-10-27T09:27:53","guid":{"rendered":"https:\/\/aid-foundation.com\/?post_type=article&#038;p=2721"},"modified":"2026-10-27T10:45:55","modified_gmt":"2026-10-27T09:45:55","slug":"hoppla-was-nun-6-aid-symposium-diskutiert-problemfaelle-aus-dem-praxisalltag-deutsche-version","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/knowledge-hub\/news\/hoppla-was-nun-6-aid-symposium-diskutiert-problemfaelle-aus-dem-praxisalltag-deutsche-version\/","title":{"rendered":"\u00abHoppla! Was nun?\u00bb \u2013 6. AID Symposium diskutiert Problemf\u00e4lle aus dem Praxisalltag (deutsche Version)"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"wp-block-post-title\">\u00abHoppla! Was nun?\u00bb \u2013 6. AID Symposium diskutiert Problemf\u00e4lle aus dem Praxisalltag (deutsche Version)<\/h1>\n\n\n<p><strong>Z\u00fcrich, 20. Oktober 2026<\/strong> \u2013 Ein Implantat mit unerwartetem Knochenverlust, eine aufwendige Behandlung, deren Notwendigkeit r\u00fcckblickend hinterfragt wird, und die Erkenntnis, dass man das therapeutische Vorgehen heute vielleicht anders gestalten w\u00fcrde. Unter dem Motto <em>\u00abHoppla! Was nun? Problemf\u00e4lle aus dem Praxisalltag\u00bb<\/em> kamen knapp 100 Teilnehmende zum 6. AID Symposium im Lake Side Z\u00fcrich zusammen, um sich genau jenen klinischen Situationen zu widmen, in denen nicht alles nach Plan verl\u00e4uft. Statt ausschliesslich erfolgreiche Behandlungsergebnisse zu pr\u00e4sentieren, wurden Komplikationen, schwierige Entscheidungen und alternative L\u00f6sungsans\u00e4tze offen diskutiert. Auch das Publikum war eingeladen, eigene Einsch\u00e4tzungen und Erfahrungen einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertrauen, Verantwortung und die Grenzen des Machbaren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Auftakt machte Zahntechniker Marco Camin mit seinem Referat <em>\u00abMedizin im Spannungsfeld von Recht, Ethik und Innovation\u00bb<\/em>. Er beleuchtete die rechtlichen und ethischen Herausforderungen im zahnmedizinischen Alltag und ging der Frage nach, wo die Grenzen zwischen Patientenwunsch, fachlicher Verantwortung und den eigenen M\u00f6glichkeiten liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand eines Fallbeispiels mit hohen Patientenerwartungen und gleichzeitig ung\u00fcnstigen klinischen Voraussetzungen zeigte Camin, wie wichtig es ist, die eigene Kompetenz realistisch einzusch\u00e4tzen und Patienten verst\u00e4ndlich \u00fcber Risiken und Behandlungsalternativen aufzukl\u00e4ren. Dabei thematisierte er unter anderem das sogenannte \u00dcbernahmeverschulden, das entstehen kann, wenn Behandelnde Eingriffe \u00fcbernehmen, f\u00fcr die ihnen die erforderlichen Kenntnisse oder Erfahrungen fehlen. Ebenso problematisch sei jedoch eine \u00fcberm\u00e4ssige Zur\u00fcckhaltung aus Angst vor Haftungsanspr\u00fcchen. Camin thematisierte in diesem Zusammenhang die Defensivmedizin und betonte die Bedeutung einer verst\u00e4ndlichen Patientenaufkl\u00e4rung und einer gemeinsamen Entscheidungsfindung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin und Zahntechnik wurde in der anschliessenden Diskussion aufgegriffen. Was geschieht, wenn ein Auftrag unter den gegebenen Voraussetzungen nicht verantwortbar erscheint? Camin machte klar, dass solche Situationen offen angesprochen werden m\u00fcssen. Statt Schuldige zu suchen, sollten alle Beteiligten gemeinsam nach L\u00f6sungen suchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Implantat erhalten oder entfernen? Nicht immer eine eindeutige Entscheidung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie unterschiedlich sich komplexe Behandlungssituationen beurteilen lassen, zeigten die interaktiven Falldiskussionen. Unter der Moderation von Ueli Grunder und Quirin D\u00f6belin stellten Claude Andreoni, Vivianne Chappuis, Karin Wolleb, Kilian Troxler, Lucia Zaugg und Luca Vaglio herausfordernde F\u00e4lle aus ihrem Praxisalltag vor. Dabei blieb die Diskussion keineswegs auf das Expertengremium beschr\u00e4nkt. Die Teilnehmenden konnten Fragen stellen, eigene Erfahrungen teilen und ihre Einsch\u00e4tzungen zu den vorgestellten F\u00e4llen einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits der erste Fall f\u00fchrte zu einem lebhaften Austausch: Bei der Freilegung eines noch nicht prothetisch versorgten Implantats zeigte sich ein unerwarteter Knochenverlust im Bereich der Implantatschulter, sodass Teile des Implantatgewindes frei lagen. Was nun? Sollte das Implantat entfernt und nach entsprechender Heilung neu gesetzt werden? Oder sollte versucht werden, das Implantat mit Dekontamination und augmentativen Massnahmen zu erhalten?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Meinungen gingen auseinander. W\u00e4hrend einige Experten aufgrund der unklaren Ursache und m\u00f6glicher Risiken f\u00fcr die Langzeitprognose eine Explantation bevorzugten, verwiesen andere auf die zus\u00e4tzlichen Risiken einer Implantatentfernung bei geringem verbliebenem Knochenangebot. Doch nicht nur die chirurgischen M\u00f6glichkeiten standen zur Diskussion. Mindestens ebenso relevant war die Frage, wie man einem Patienten eine unerwartete Komplikation erkl\u00e4rt, deren Ursache man m\u00f6glicherweise selbst nicht genau kennt. Hier waren sich die Diskutierenden einig: Offenheit gegen\u00fcber dem Patienten und eine sorgf\u00e4ltige Dokumentation sind unerl\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn sich die Voraussetzungen \u00fcber die Jahre ver\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass auch eine langj\u00e4hrig funktionierende implantatprothetische Versorgung neue Herausforderungen mit sich bringen kann, verdeutlichte ein weiterer Fall aus der Praxis. Eine Patientin, deren umfangreiche implantatprothetische Frontzahnversorgung \u00fcber viele Jahre gut funktioniert hatte, entwickelte nach rund 20 Jahren periimplant\u00e4re Probleme mit ausgepr\u00e4gtem Knochenverlust an einem Implantat. In der Zwischenzeit hatten sich ihr allgemeiner Gesundheitszustand und die Voraussetzungen f\u00fcr eine regelm\u00e4ssige Nachsorge erheblich verschlechtert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Diskussion wurden verschiedene Behandlungsm\u00f6glichkeiten gegeneinander abgewogen \u2013 von nichtchirurgischen und regenerativen Ans\u00e4tzen bis hin zur Explantation. Hinzu kamen die gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen der Patientin, ihre Vorbehalte gegen\u00fcber weiteren umfangreichen Eingriffen und die ungewisse Prognose der verschiedenen Therapieoptionen. Das Behandlungsteam hatte sich schliesslich f\u00fcr die Explantation entschieden. Nach einer Rekonstruktion des Alveolarkamms und entsprechender Heilung wurde ein Tissue-Level-Implantat eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall warf jedoch eine Frage auf, die \u00fcber die eigentliche Komplikation hinausging: Sollte man bestehende Rekonstruktionen im Laufe der Zeit anpassen? Denn was \u00fcber viele Jahre problemlos gereinigt werden konnte, muss f\u00fcr einen \u00e4lter gewordenen oder gesundheitlich eingeschr\u00e4nkten Patienten nicht mehr gleich gut handhabbar sein. Auch dar\u00fcber gingen die \u00dcberlegungen der Anwesenden auseinander.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>War der gew\u00e4hlte Behandlungsweg wirklich notwendig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders aufschlussreich waren auch jene Fallpr\u00e4sentationen, bei denen nicht eine Komplikation, sondern die kritische Reflexion einer bereits durchgef\u00fchrten Behandlung im Vordergrund stand.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde ein junger Patient mit einem ausgepr\u00e4gten Knochendefekt im Unterkiefer vorgestellt. Nach einem chirurgischen Knochenaufbau war die Zahnl\u00fccke ohne Implantation mit einer adh\u00e4siven Br\u00fccke versorgt worden. Die Diskussion drehte sich unter anderem um die Frage, ob der umfangreiche Aufbau angesichts der gew\u00e4hlten Versorgung tats\u00e4chlich notwendig gewesen w\u00e4re. Auch alternative, weniger invasive Konzepte sowie eine autogene Zahntransplantation kamen zur Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Fallvorstellung zur fortgeschrittenen Wurzelresorption im Frontzahnbereich f\u00fchrte zu einer \u00e4hnlichen Diskussion. Die behandelnde \u00c4rztin hatte sich f\u00fcr ein mehrphasiges Vorgehen mit sp\u00e4terer Implantation entschieden und stellte r\u00fcckblickend selbst die Frage, ob eine Sofortimplantation nicht ebenfalls m\u00f6glich gewesen w\u00e4re und sich dadurch die Behandlungsdauer f\u00fcr die Patientin h\u00e4tte verk\u00fcrzen lassen. Die Referentin reflektierte dabei offen, inwiefern ihre bisherige Ausbildung und Erfahrung die Entscheidung f\u00fcr das damalige Vorgehen beeinflusst hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren gerade solche Einblicke in die \u00dcberlegungen und Unsicherheiten hinter einer Therapieentscheidung, die den Austausch besonders interessant machten. Denn auch wenn das Ergebnis zufriedenstellend ist, lohnt es sich manchmal, den gew\u00e4hlten Weg nochmals zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erhalten, korrigieren oder neu versorgen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere F\u00e4lle verdeutlichten, wie stark die individuellen Voraussetzungen und W\u00fcnsche der Patienten die Behandlungsplanung beeinflussen k\u00f6nnen. Bei einem Patienten mit periimplant\u00e4ren Komplikationen war die bestehende prothetische Rekonstruktion nur schwer zu reinigen. Da er eine erneute Implantation vermeiden wollte, entschied sich das Behandlungsteam f\u00fcr einen implantaterhaltenden Therapieversuch mit Dekontamination und regenerativen Massnahmen. Ob damit langfristig stabile Verh\u00e4ltnisse erreicht werden k\u00f6nnen, war zum Zeitpunkt der Pr\u00e4sentation noch offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei einem komplexen Frontzahntrauma wurde intensiv \u00fcber das weitere Vorgehen diskutiert. Dabei wurde ausdr\u00fccklich davor gewarnt, traumatisierte Z\u00e4hne vorschnell zu extrahieren. Vielmehr sollten die M\u00f6glichkeiten einer Reposition, Stabilisierung und Zahnerhaltung sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Fallpr\u00e4sentationen widmeten sich \u00e4sthetischen Komplikationen nach langj\u00e4hriger Implantatversorgung und zeigten, welche Bedeutung das Weichgewebemanagement und die Gestaltung provisorischer Rekonstruktionen f\u00fcr das Behandlungsergebnis haben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinsam hinterfragen, diskutieren und lernen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht auf jede Frage gab es beim 6. AID Symposium eine eindeutige Antwort. Bei manchen F\u00e4llen gingen die Meinungen auseinander, bei anderen wurden bereits abgeschlossene Behandlungen noch einmal kritisch betrachtet. Dass die Referierenden dabei auch eigene Unsicherheiten offen ansprachen und sich das Publikum mit Fragen und eigenen Erfahrungen einbrachte, machte die Diskussionen besonders lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz im Sinne des Mottos <em>\u00abHoppla! Was nun?\u00bb<\/em> bot das Symposium Raum f\u00fcr einen ehrlichen und praxisnahen Erfahrungsaustausch. Gerade die Gespr\u00e4che \u00fcber unerwartete Behandlungsverl\u00e4ufe und m\u00f6gliche L\u00f6sungswege er\u00f6ffneten neue Perspektiven und lieferten wertvolle Anregungen f\u00fcr den Praxisalltag. Damit unterstrich die Veranstaltung ein zentrales Anliegen der AID, den kollegialen Austausch zu f\u00f6rdern, Erfahrungen weiterzugeben und voneinander zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer is-style-small\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\">Zur Galerie (folgt)<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"date wp-block-post-date\"><time datetime=\"2026-10-27T10:27:53+01:00\">27\/10\/26<\/time><\/div>\n\n\n<p>Autor: Loreen Plankensteiner<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Z\u00fcrich, May 22, 2025 <\/strong>\u2013 While implantology may have dominated the clinical stage at the Alliance for Implant Dentistry (AID) My Generation Symposium, a refreshing shift in focus came with Frederike Goblirsch\u2019s dynamic session on digital branding and dental marketing: <em>\u201cYour Brand, Digitally Staged \u2013 Practice Marketing with Wow Effect.\u201d<\/em><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"featured_media":2649,"template":"","article_cat":[25],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2721"}],"collection":[{"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2721\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2725,"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2721\/revisions\/2725"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2721"}],"wp:term":[{"taxonomy":"article_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/aid-foundation.com\/it\/wp-json\/wp\/v2\/article_cat?post=2721"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}